Abenteuer Jeep

FORT DE LA TURRA

2. Oktober 2013

Der Morgen findet das Tal von Susa in dichte Wolken gehüllt. Auf italienischer Seite sieht man die Hand vor Augen nicht, so dermaßen dichter Nebel hat sich hier fest gesetzt. Wir beschließen einen Abstecher hinüber nach Frankreich zu machen, um die kurze, aber schwierige Strecke hinauf zum Fort de la Turra in Angriff zu nehmen.

Bis hinauf zum Col de Montcenisio begleitet uns dieser dichte Nebel, der nur wenige Meter neben der Straße liegende Lac du Mont Cenis bleibt unseren Augen enttäuschender Weise komplett verborgen. Endlich erreichen wir den Pass, direkt dahinter ändert sich das Wetter, die französischen Alpenkette liegt in strahlendem Sonnenschein vor uns.

Wir rollen die Serpentinen bis hinunter nach Lanslebourg-Mont-Cenis, wo wir tanken, ist doch der Sprit in Frankreich etwas billiger als auf italienischer Seite. Wir wählen einen geschotterten Forstweg, der parallel zur Straße vom Ort aus durch den Fichten- und Lärchenwald nach oben führt und der nicht in unseren Offroad-Führern verzeichnet ist.

Die Spurrinnen im weichen Waldboden sind zum Teil tief eingeschnitten, aber die Strecke ist mit unserem höhergelegten Fahrwerk komfortabel zu befahren. Selbstverständlich immer mit Untersetzungsgetriebe und Allrad.

Unterwegs halten wir an, um die letzten Himbeeren und Heidelbeeren des Jahres zu naschen und die Sonne zu genießen. Bis hierher ist die Strecke ein gemütlicher Sonntagsausflug.

Das ändert sich drastisch, als wir die Baumgrenze erreichen und auf die eigentliche Route hinauf zum Fort de la Turra stoßen.

Der Belag wird extrem rau, vereinzelt liegen große Felsbrocken auf der Strecke, die Fahrbahn ist eng, der Wagen gerät stellenweise in beunruhigende Schräglagen. Wir fahren längere Zeit am Steilhang entlang. Der Wagen hat hier zum Teil eine beunruhigend starke Seitenneigung und das ausgerechnet in Fallrichtung zum Abhang, eine Randbegrenzung gibt es weit und breit nicht.

Je höher wir uns schrauben, desto beängstigender wird der Blick in das felsige Tal, auf dessen Grund ein Wasserlauf rauscht.

Immer wieder verstärken große Steinplatten die sowieso schon extreme Seitenlage. Zu allem Überfluss ist an der Untergrund an einigen Stellen der feuchte und teilweise glitschig.

Dafür genießen wir einen atemberaubenden Blick auf das Fort, dessen Mauern einen 2500 m höhen Gipfel krönen. Direkt unterhalb des Forts halten wir an und genießen unser Picknick, eine grandiose Wolkenkulisse liegt unter uns.

Die letzten Meter legen wir zu Fuß zurück, da unser Führer vor der Auffahrt warnt. Allerdings ist die Piste seit dem Bericht deutlich verbessert worden, die Fahrbahn ist zwar eng, aber gut in Schuss und stellt kein Problem dar. Wir betreten über eine frisch renovierte Holzbohlen-Brücke das Fort und werfen einen Blick in die verfallenen Häuser, über die bröckelnde Festungsmauer und umrunden den Gipfel.

Die Rückseite der Festung gewährt einen Blick hinunter auf die Passtraße - genauer gesagt auf einen Wolkenstrom. Er ergießt sich über den Pass und fließt den Hang abwärts auf die Ortschaft Lanslebourg-Mont-Cenis zu. Erst kurz vor dem Dorf löst sich der mächtige Wolkenfluss in der trockeneren Luft auf und gibt den Blick auf die Straße wieder frei.

Die tiefstehende Sonne mahnt uns zum Aufbruch, wir tasten uns vorsichtig abwärts über die Serpentinen.

Für die Rückfahrt wählen wir den im Führer vorgeschlagenen Weg, der uns direkt hinüber zur Passstraße führt. Wir überqueren eine Holzbrücke, öffnen ein Viehgatter und genießen eine beschauliche Abfahrt durch den herbstlichen Mischwald.

Hinter einem zweiten Gatter treffen wir auf die ersten Häuser, wir tauchen ein in den Nebelstrom. Schlagartig wird es kalt, windig und feucht. Wir sind froh über die Heizung des Jeeps, und stürzen uns in den dichten Nebel, der uns fast die gesamte Heimfahrt begleitet.

Fazit: Offroadspass hoch, Landschaft sehr schön!